Cannabis polarisiert seit Jahren. Es kursieren unzählige Mythen, Halbwahrheiten und Vereinfachungen. Mal wird es als völlig harmlos dargestellt, mal als besonders gefährliche Substanz. Was stimmt wirklich? Wir ordnen die grundlegenden Fakten: Was es ist, wie es wirkt und wie der aktuelle rechtliche Status aussieht.
Dieser Artikel hat einen informativen Charakter. Er ermutigt nicht zum Brechen von Gesetzen oder zum Konsum psychoaktiver Substanzen.
Zusammenfassung
- Cannabis ist getrocknetes Pflanzenmaterial aus Hanf mit THC, einer psychoaktiven Substanz, die u.a. Stimmung, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit beeinflusst. Nicht jedes Hanfprodukt hat eine berauschende Wirkung, daher ist es wichtig, Cannabis von Industriehanf und CBD-Produkten zu unterscheiden.
- In Deutschland ist der Freizeitkonsum von Cannabis seit dem 1. April 2024 durch das KCanG teilweise legalisiert. Besitz von bis zu 25 g in der Öffentlichkeit und 50 g zu Hause sowie der Anbau von bis zu 3 Pflanzen pro Person sind erlaubt. Medizinisches Cannabis ist seit Jahren legal auf Rezept erhältlich.
- Die kurzfristigen Wirkungen von Cannabis können Entspannung, Euphorie und gesteigerter Appetit sein, aber auch Angst, verminderte Konzentration, Gedächtnis- und Koordinationsprobleme. Aus diesem Grund sollte man nach dem Konsum keine Fahrzeuge führen oder Maschinen bedienen.
- Cannabis kann abhängig machen, und häufiger Konsum ist mit einem erhöhten Risiko für Gedächtnis-, Motivations-, Stimmungs- und psychische Gesundheitsprobleme verbunden. Besonders gefährlich kann es für Jugendliche und Personen sein, die zu Psychosen neigen.
Inhaltsverzeichnis:
- Was ist Cannabis?
- Medizinisches Cannabis
- Kurzfristige Wirkungen von Cannabis
- Langzeitwirkungen von Cannabis und seine Auswirkungen auf die Gesundheit: Risiken und mögliche Schäden
- Cannabis-Sorten
- Cannabinoide
- Terpene und das aromatische Profil von Cannabis
- Konsummethoden von Cannabis
- Kurze Geschichte von Cannabis
- Rechtslage von Cannabis in Deutschland
- Rechtslage von Cannabis in anderen Ländern
- Quellen
Was ist Cannabis?
Cannabis (umgangssprachlich: „Gras“, „Weed“, „Ganja“, „Hanf“, „Kraut“ usw.) ist ein natürliches Pflanzenmaterial, das hauptsächlich aus den Blütenständen und anderen Teilen von Pflanzen der Gattung Cannabis gewonnen wird. Es enthält Wirkstoffe, allen voran THC – eine psychoaktive Substanz, die für den größten Teil der charakteristischen Wirkungen von Cannabis verantwortlich ist.
In der Praxis wird das Wort Cannabis weiter gefasst als im botanischen und rechtlichen Sinne. Meistens bezeichnet es einfach Hanfprodukte, die zu Freizeit- oder medizinischen Zwecken verwendet werden.
Es ist wichtig, folgende Begriffe zu unterscheiden:
- Hanf ist der Name der Pflanze,
- Cannabis ist ein weiterer Begriff, der in der Wissenschaft und im internationalen Umfeld verwendet wird,
- Cannabis bezieht sich im umgangssprachlichen Konsum-Kontext meist auf THC-haltiges getrocknetes Cannabis.
Das ist wichtig, weil nicht jedes Hanfprodukt psychoaktiv wirkt und nicht jedes den gleichen rechtlichen Einschränkungen unterliegt.
Woher kommt Cannabis?
Cannabis ist ein natürlich von der Hanfpflanze stammendes Produkt. Es entsteht meist durch das Trocknen von Blütenständen und anderen Pflanzenteilen mit hoher Konzentration an Cannabinoiden – insbesondere THC.
Allerdings ist nicht jede Hanfpflanze Cannabis im umgangssprachlichen Sinne. Industriehanf sind Sorten mit sehr niedrigem THC-Gehalt, die u.a. in der Industrie verwendet werden, während Cannabis umgangssprachlich das getrocknete Material aus Hanfsorten mit hohem Gehalt an Wirkstoffen bezeichnet.
Ist Cannabis eine Droge?
Cannabis ist im umgangssprachlichen Sinne eine Droge, genauer gesagt: eine psychoaktive Substanz, da es psychische Prozesse wie Wahrnehmung, Stimmung, Aufmerksamkeit und Gedächtnis beeinflusst. Die Hauptverbindung, die für diese Wirkung verantwortlich ist, ist THC. Produkte, die es enthalten, können die Denkweise, das Empfinden und die Wahrnehmung verändern.
In Deutschland wird Cannabis seit der Teillegalisierung vom 1. April 2024 (KCanG) nicht mehr grundsätzlich als illegales Betäubungsmittel für Erwachsene behandelt, wenn die gesetzlichen Mengengrenzen eingehalten werden. Gleichzeitig wird es oft als „weiche Droge“ bezeichnet, da sein Risikoprofil in der Regel als geringer eingestuft wird als bei vielen anderen Substanzen, insbesondere Alkohol, Opioiden oder Stimulanzien.
Cannabis gilt im Vergleich zu anderen psychoaktiven Substanzen als weniger schädlich, aber das bedeutet nicht, dass es für die Gesundheit unbedenklich ist und kein Suchtpotenzial hat!
Wie sieht Cannabis aus? Wie erkennt man Cannabis?
Cannabis sieht meistens einfach wie getrocknetes Pflanzenmaterial in grüner, grün-brauner, grün-gelber oder grün-grauer Farbe aus. Es hat meist die Form kleiner, klebriger Pflanzenfragmente, in denen vor allem Blütenstände, manchmal auch kleine Blätter, Stängel oder andere Pflanzenfasern zu sehen sind. Das Aussehen von Cannabis kann jedoch sehr unterschiedlich sein: Das getrocknete Material kann heller oder dunkler, fluffiger oder kompakter sein, mit mehr oder weniger sichtbaren Pflanzenelementen.

Die Erkennung von Cannabis anhand des Aussehens gibt keine Gewissheit über seine Zusammensetzung, den THC- oder CBD-Gehalt oder die Legalität des Produkts! Verschiedene Arten von Hanfprodukten (einschließlich legaler Produkte mit niedrigem THC-Gehalt) können sehr ähnlich aussehen. Daher reicht das Aussehen allein nie aus, um zuverlässig zu beurteilen, womit man es genau zu tun hat.
Wie riecht Cannabis?
Der Geruch von Cannabis in Form von getrockneten Blüten ist in der Regel intensiv, „schwer“, deutlich pflanzlich und recht charakteristisch. Er wird häufig mit einer Mischung aus frisch geriebenem Kräutern, Harz, Erde, Humus, Kiefernnadeln oder Zitrusschalen assoziiert. Hauptverantwortlich sind die Terpene, natürliche Duftstoffe, die in Hanf vorkommen. Für manche ist der Geruch von Cannabis angenehm, für andere kann er reizend, stickig und unangenehm sein.
Nach dem Verbrennen wird der Geruch noch stärker, beißender und hält sich lange in der Luft, auf Kleidung und in Innenräumen.
Ist Haschisch Cannabis?
Nein, Haschisch und Cannabis sind nicht dasselbe, obwohl beides aus Hanf stammt und psychoaktiv wirkt.
Der Unterschied liegt in der Form des Rohstoffs: Cannabis ist getrocknetes Pflanzenmaterial, während Haschisch gepresstes oder verarbeitetes Hanzharz ist. Beide Formen unterliegen den gleichen gesetzlichen Regelungen nach dem KCanG in Deutschland.
Medizinisches Cannabis
Der Begriff „medizinisches Cannabis“ bezieht sich auf die Verwendung von Cannabis oder Cannabinoiden in streng medizinischem Rahmen: nach ärztlicher Beurteilung, bei einer bestimmten Indikation, Dosierung und unter therapeutischer Kontrolle. Medizinisches Cannabis unterscheidet sich von Natur aus nicht von Freizeit-Cannabis, hat aber einen anderen rechtlichen Status. Im therapeutischen Kontext sind die standardisierte chemische Zusammensetzung, die hohe Qualität des Rohstoffs und die Vorhersehbarkeit seiner Wirkung entscheidend.
Medizinisches Cannabis kann u.a. bei Schmerzen, Muskelverspannungen, Übelkeit und bestimmten neurologischen Symptomen helfen. Die stärksten und am besten dokumentierten Anwendungen betreffen heute vor allem bestimmte Formen therapieresistenter Epilepsie, Spastizität bei Multipler Sklerose sowie Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit Chemotherapie. Bei chronischen Schmerzen ist die Situation komplexer: Ein Teil der Patienten berichtet von Verbesserungen, aber die Qualität der Belege ist nicht eindeutig.
Die medizinische Anwendung unterscheidet sich deutlich von der Freizeitnutzung durch die empfohlene Verabreichungsform (empfohlen werden Methoden zur genauen Dosierungskontrolle, wie orale Präparate, Extrakte oder Vaporisierung).
In Deutschland ist medizinisches Cannabis seit 2017 auf Rezept erhältlich. Seit der Legalisierung im April 2024 ist der Zugang erheblich vereinfacht worden: Ärzte aller Fachrichtungen können es verschreiben, alle Apotheken sind verpflichtet, es anzubieten, und die Krankenkassen übernehmen die Kosten in vielen Fällen. Der Preis beträgt ca. 4,52 €/g in Apotheken. Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland rund 1 Million Cannabispatienten.
Kurzfristige Wirkungen von Cannabis
Abhängig von der Dosis, dem THC-Gehalt, der Einnahmemethode und der individuellen Empfindlichkeit kann die Wirkung von Cannabis Folgendes umfassen:
- Wahrnehmungsveränderungen – Geräusche, Farben, Reize und das Zeitgefühl können anders wahrgenommen werden als gewöhnlich. Einige Personen beschreiben auch intensivere Sinneseindrücke oder ein Gefühl verlangsamter Zeit;
- Stimmungsveränderungen – bei manchen Personen tritt Entspannung, Lockerheit, Stimmungsaufhellung oder Euphorie auf. Bei anderen können Anspannung, Unruhe, Angst, Dysphorie, Misstrauen und manchmal sogar Panik auftreten;
- Verminderte Konzentration und geteilte Aufmerksamkeit – es fällt schwerer, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, mehrere Dinge gleichzeitig zu verfolgen und schnell auf veränderte Situationen zu reagieren;
- Eingeschränktes Kurzzeitgedächtnis – nach dem Konsum ist es schwieriger, neue Informationen zu behalten und sich an kurz zurückliegende Ereignisse zu erinnern;
- Psychomotorische Verlangsamung und verlängerte Reaktionszeit – der Körper reagiert langsamer auf Reize, und die Situationseinschätzung kann ungenauer sein;
- Verschlechterte Bewegungskoordination – sowie Balance und Präzision bei der Ausführung von Aufgaben;
- Veränderungen im Denken und in der Situationsbeurteilung – es können Abgelenktheit, Entscheidungsschwierigkeiten, schlechteres Urteilsvermögen und vorübergehende Veränderungen im Vergleich zum normalen Denken auftreten;
- Schläfrigkeit und Beruhigung, oder im Gegenteil: Aufgewecktheit und mehr Geselligkeit – diese Reaktionen sind jedoch nicht konstant und können bei verschiedenen Personen unterschiedlich aussehen;
- Gesteigerter Appetit;
- Erhöhte Herzrate unmittelbar nach dem Konsum;
- Mundtrockenheit, gerötete Augen und andere kurzfristige körperliche Symptome – deren Intensität kann variieren;
In der Praxis sind die kurzfristigen Wirkungen des Cannabis-Konsums nicht ausschließlich „positiv“ oder „negativ“. Das gleiche Produkt kann für eine Person Entspannung und Stimmungsaufhellung bedeuten und für eine andere Anspannung, Angst oder deutliche Konzentrationsminderung.
Besonders wichtig sind Sicherheitsfragen. Cannabis kann die Fahrtüchtigkeit und die Bedienung von Maschinen beeinträchtigen, da es Reaktionszeit, Koordination, Aufmerksamkeit, Entfernungseinschätzung und Entscheidungsfindung beeinflusst.
Langzeitwirkungen von Cannabis und seine Auswirkungen auf die Gesundheit: Risiken und mögliche Schäden
Die Langzeitwirkungen des Cannabis-Konsums sehen nicht bei allen gleich aus und hängen weitgehend von der Häufigkeit und Dauer des Konsums, dem Einstiegsalter, der Produktstärke und der individuellen Anfälligkeit ab.
Im funktionalen Bereich wird am häufigsten über den Zusammenhang zwischen häufigem Cannabis-Konsum und einem erhöhten Risiko für Probleme wie chronisch verringerte Motivation, verschlechterte Stimmung, Konzentrations-, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisschwierigkeiten sowie schlechtere Leistungen in der Schule oder Arbeit gesprochen.
Auch das Thema psychische Gesundheit ist wichtig. Studien deuten darauf hin, dass häufiger und langfristiger Konsum, insbesondere täglicher Konsum von Produkten mit hohem THC-Gehalt, mit einem erhöhten Risiko für Psychosen und andere psychische Störungen verbunden ist. Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Nutzer diese entwickeln wird, aber die Daten zeigen eine signifikante Korrelation. Bei Erwachsenen, die selten konsumieren, können die Auswirkungen begrenzt oder kaum spürbar sein.
Kontraindikationen für den Cannabis-Konsum
Zu den am häufigsten genannten Kontraindikationen für den Cannabis-Konsum gehören:
- Schwangerschaft und Stillen – das ist eine der wichtigsten Kontraindikationen. Der Cannabis-Konsum in der Schwangerschaft ist mit einem erhöhten Risiko bestimmter Komplikationen verbunden, insbesondere niedrigem Geburtsgewicht, Frühgeburt und Entwicklungsproblemen des Kindes. THC überquert die Plazenta und geht in die Muttermilch über, weshalb medizinische Organisationen empfehlen, Cannabis während der Schwangerschaft und Stillzeit zu vermeiden. Cannabis ist auch dann nicht empfohlen, wenn man versucht, schwanger zu werden;
- Kinder und Jugendliche – in der Adoleszenz befindet sich das Gehirn noch in der Entwicklung, weshalb regelmäßiger Cannabis-Konsum mit einem höheren Risiko negativer Auswirkungen auf Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Lernen verbunden ist;
- Psychische Erkrankungen – besondere Vorsicht ist bei Personen mit Psychosen, Schizophrenie, bipolarer Störung, Depression, Angststörungen oder Stimmungsstörungen geboten, da Cannabis deren Symptome verschlimmern und Rückfälle auslösen kann;
- Herzerkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – Cannabis kann Herzfrequenz und das Herz-Kreislauf-System beeinflussen, weshalb bei bestehenden kardiologischen Problemen Vorsicht geboten ist;
- Erkrankungen der Atemwege – bei inhalativen Formen, die z.B. die Lunge zusätzlich belasten können;
- Einnahme bestimmter Medikamente – mögliche Wechselwirkungen müssen berücksichtigt werden. Sowohl THC als auch CBD können die Wirkung bestimmter Präparate beeinflussen. Am häufigsten werden einige Gruppen genannt: Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmer, bestimmte Antiepileptika, Medikamente mit hemmender Wirkung auf das zentrale Nervensystem, also z.B. Benzodiazepine, Schlafmittel, Opioide.
Abhängigkeit, CUD und Entzugssymptome
Cannabis-Abhängigkeit ist ein reales Phänomen und wird in der Medizin als CUD (Cannabis Use Disorder) beschrieben. Es geht nicht nur darum, häufig Cannabis und THC-haltige Produkte zu konsumieren, sondern um eine Situation, in der der Konsum schwer zu kontrollieren wird, andere Lebensbereiche zu dominieren beginnt und trotz offensichtlicher Schäden fortgesetzt wird. Das Risiko ist bei häufigem Konsum, jungem Alter und Produkten mit hohem THC-Gehalt größer. Typische Symptome von CUD sind u.a. starkes Verlangen nach Konsum, Schwierigkeiten beim Einschränken oder Aufhören, Vernachlässigung von Pflichten, weiterer Konsum trotz Problemen in Beziehungen, Schule oder Arbeit sowie Toleranzentwicklung.
Bei Unterbrechung des regelmäßigen Cannabis-Konsums kann ein Entzugssyndrom auftreten. Die am häufigsten beschriebenen Symptome sind:
- Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit, Kopfschmerzen;
- Schlafprobleme;
- Übermäßiges Schwitzen (insbesondere während des Schlafs);
- Unruhe, Anspannung;
- Gedrückte Stimmung oder Dysphorie;
- Verminderter oder völlig fehlender Appetit;
- Reizbarkeit und allgemeines Unwohlsein;
- Magen-Darm-Beschwerden.
Es muss nicht bei jedem gleich aussehen, aber das Entzugssyndrom ist in der Literatur gut beschrieben und ist einer der Gründe, warum das Aufhören mit Cannabis schwierig sein kann.
CHS
CHS (Cannabinoid Hyperemesis Syndrome), das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom, ist eine Gruppe von Symptomen, die mit langfristigem, häufigem Cannabis-Konsum verbunden sind. Am charakteristischsten sind wiederkehrende Episoden von starker Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen, die zu Dehydrierung führen und ärztliche Hilfe erfordern können. CHS ist ein wichtiges, aber immer noch selten diskutiertes Thema – es wird oft mit anderen gastrologischen Problemen verwechselt, und die Diagnose kommt oft erst nach längerer Zeit.
Die einzige wirksame Methode gegen CHS ist derzeit das Aufhören mit Cannabis – andernfalls neigen die Symptome zu Rückfällen. In der akuten Episode konzentriert sich die Behandlung auf Rehydrierung und Symptomkontrolle (wobei klassische Antiemetika nicht sehr wirksam sind). Capsaicin-Creme kann helfen, und einige Personen erfahren vorübergehende Erleichterung durch heiße Bäder.
Cannabis-Sorten
Am häufigsten wird Cannabis in die Sorten Indica, Sativa und Hybriden eingeteilt. Dies ist jedoch eher eine vereinfachte Gebrauchseinteilung als eine präzise Klassifizierung – die Wirkung einer bestimmten Cannabis-Sorte ergibt sich nicht aus ihrem Namen, sondern aus der konkreten chemischen Zusammensetzung des Produkts, vor allem aus dem Verhältnis von THC, CBD sowie der Anwesenheit anderer Cannabinoide und Terpene.
Indica
Der Name Indica leitet sich aus der alten botanischen Klassifikation von Hanf ab. Historisch bezog er sich auf Pflanzen, die als niedriger, kompakter, dichter verzweigt und mit breiteren Blättern als typische Sativa beschrieben wurden. In der Praxis wurden sie auch mit dem Anbau unter schwierigeren Bedingungen und einer höheren Harzproduktion assoziiert.
Mit der Zeit begann der Begriff Indica nicht nur als botanischer Term zu funktionieren, sondern auch als Kurzbeschreibung eines bestimmten Wirkungsprofils. Als Indica verkaufte Sorten werden in der Regel als stärker entspannend dargestellt. Sie werden häufiger mit Muskelentspannung, einem Gefühl der Körperschwere, Verlangsamung, gesteigertem Appetit und mehr Schläfrigkeit als bei Sativa-Sorten in Verbindung gebracht. Daher spricht man umgangssprachlich von ihnen als „Abend-Sorten“.
Sativa
Aus botanischer Sicht bezieht sich Sativa auf Pflanzen, die als höher, schlanker, weniger kompakt und mit schmaleren Blättern als Indica-Sorten beschrieben werden. In der Praxis begann der Begriff jedoch vor allem jene Sorten zu bezeichnen, denen ein eher „anregender“ oder „tagesaktiver“ Charakter zugeschrieben wird.
Sativa wird mit einem stärkeren Energiegefühl, Leichtigkeit, gesteigerter psychischer Aktivität, Gesprächigkeit, erhöhter Kreativität und weniger Schläfrigkeit als bei Indica-Sorten assoziiert. Andererseits kann dieses Profil bei manchen Personen auch mit Anspannung, Reizbarkeit oder Gedankenrasen einhergehen – besonders bei hohem THC-Gehalt.
Hybriden
Die meisten modernen Cannabis-Sorten sind Hybriden, also Kreuzungen verschiedener Hanflinien, sowohl Sativa als auch Indica. Sie entstanden, um einen größeren Einfluss auf ausgewählte Pflanzeneigenschaften zu haben: z.B. Wachstum, Blütezeit, Resistenz, Geruch, THC- und CBD-Gehalt oder ein bestimmtes Wirkungsprofil.
Eine Hybride kann stärker entspannend, anregend oder relativ ausgewogen sein – alles hängt von der konkreten Sorte und ihrer chemischen Zusammensetzung ab.
Cannabinoide
Cannabinoide sind eine Gruppe natürlicher chemischer Verbindungen, die in Hanf vorkommen. Sie sind es, die weitgehend für die biologische Wirkung verantwortlich sind, und ein Teil von ihnen auch für die psychoaktiven Effekte.
Hanf enthält über 100 verschiedene Cannabinoide, und medizinische Quellen betonen, dass sie am stärksten die Wirkung von Cannabis auf den Körper prägen. Die bekanntesten sind THC, CBD und THCA:
THC
THC, also Tetrahydrocannabinol (genauer: Delta-9-THC), ist die Hauptverbindung, die für die psychoaktive Wirkung von Cannabis verantwortlich ist. Er ist in erster Linie für die typischen Wirkungen des Cannabis-Konsums verantwortlich: Veränderungen von Stimmung, Wahrnehmung, Konzentration und Zeitempfinden.
In der Praxis hängt die Wirkung von THC nicht nur von der bloßen Anwesenheit der Verbindung ab, sondern auch von ihrer Konzentration, der Dosis, der Einnahmemethode und der individuellen Empfindlichkeit des Organismus. Je höher der THC-Gehalt im getrockneten Cannabis oder Extrakt, desto stärker und unvorhersehbarer ist in der Regel der Effekt auf den Körper.
CBD
CBD, also Cannabidiol, ist einer der Hauptcannabinoide in Hanf. Im Gegensatz zu THC ist es jedoch nicht klassisch berauschend. Es kann den Körper beeinflussen, aber seine Wirkungen sind anders. Einige Personen beschreiben sie als subtiler, ohne die für Cannabis mit hohem THC-Gehalt typische Bewusstseinsveränderung.
Die dokumentierten medizinischen Anwendungen von CBD sind recht begrenzt. Die stärksten Belege betreffen die Behandlung bestimmter seltener Epilepsieformen. CBD wird im Zusammenhang mit chronischen Schmerzen, Angst, Schlaflosigkeit, Entzündungen oder neurologischen Symptomen diskutiert, aber für die meisten dieser Anwendungen sind die Belege noch begrenzt. Einige Studien und Abhandlungen deuten darauf hin, dass CBD bei manchen Personen bestimmte unerwünschte Wirkungen von THC teilweise abschwächen kann, beispielsweise zu intensive Anspannung oder psychisches Unwohlsein.
CBD-Produkte sind in Deutschland legal, sofern sie die gesetzlichen Anforderungen an den THC-Gehalt erfüllen. Nach der Cannabisreform 2024 hat sich die Rechtslage für CBD-Blüten weiter entspannt.
THCA
THCA (auch: Tetrahydrocannabinolsäure) ist ein Vorläufer von THC, also eine chemische Verbindung, die in frischem Hanf vorkommt und aus der – unter dem Einfluss von Zeit, Trocknung und Temperatur, im Prozess der Decarboxylierung – erst das eigentliche Delta-9-THC entsteht.
Weitere Cannabinoide
Es ist wichtig zu beachten, dass Cannabis nicht ein einzelnes Molekül ist, sondern eine Mischung vieler chemischer Verbindungen. In Hanf kommen auch in großen Mengen andere, weniger erforschte Cannabinoide vor, wie z.B. CBG, CBN und CBC. Sie sind (zusammen mit Terpenen) für das endgültige Aussehen, den Geruch, das Profil und die Verwendung des Produkts verantwortlich, wurden jedoch weder so gründlich untersucht wie THC und CBD noch zeigen sie eine so starke Wirkung auf den Körper.
Terpene und das aromatische Profil von Cannabis
Terpene sind natürliche Duftstoffe, die in Hanf (und vielen anderen Pflanzen) vorkommen. Sie sind weitgehend für den Geruch von Cannabis und das konkrete aromatische Profil einer bestimmten Sorte verantwortlich. Das können z.B. kräuterige, zitrusartige, harzig, erdige, kiefernartige Noten und viele andere sein.
Terpene sind jedoch nicht ausschließlich für den Geruch von Cannabis verantwortlich – Forschungen zu ihrer biologischen Rolle laufen noch!
Konsummethoden von Cannabis
Die Konsummethoden von Cannabis sind vielfältig, aber am häufigsten werden Rauchen, Vaporisierung und sogenannte „Edibles“, also THC-haltige Lebensmittelprodukte genannt. Sie unterscheiden sich in der Wirkungsgeschwindigkeit, der Wirkungsdauer und den Wirkungen selbst.
Vaporisierung
Vaporisierung ist eine der Verabreichungsmethoden für THC, bei der getrocknetes Cannabis oder ein Extrakt in einem speziellen Gerät – einem Vaporizer – erhitzt (und nicht verbrannt) wird. Dadurch inhaliert der Nutzer keinen Rauch, sondern ein Aerosol mit Wirkstoffen. Das Fehlen der Verbrennung kann den Kontakt mit einigen Verbrennungsprodukten im Rauch begrenzen, bedeutet aber nicht, dass Vaporisierung völlig unbedenklich für die Gesundheit ist.
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Edibles
Bei der oralen Einnahme von THC (in Form von Lebensmittelprodukten, sog. „Edibles„) tritt die Wirkung später auf als bei der Inhalation, da die Wirkstoffe zunächst den Verdauungstrakt und den Leberstoffwechsel passieren müssen. Deshalb spricht man oft von einer verzögerten Wirkung, die zusätzlich länger andauern kann als bei der Inhalation, und ihr Verlauf kann weniger vorhersehbar sein.
Wichtig ist auch, dass THC eine lipophile Verbindung ist, also sich gut in Fetten und schlecht in Wasser löst. Das bedeutet, dass der Verzehr von Cannabis ohne vorherige geeignete Zubereitung (Bindung an Fett) keine Wirkung haben wird.
Rauchen
Das Rauchen von Cannabis ist die klassische (und wahrscheinlich populärste) Einnahmemethode. Sie besteht im Verbrennen von getrocknetem Cannabis und der Inhalation des Rauchs. Es wirkt schnell, da die Wirkstoffe auf dem Inhalationsweg in den Körper gelangen, aber zusammen mit ihnen werden auch schädliche Verbrennungsprodukte eingeatmet. Aus gesundheitlicher Sicht ist der Rauch der wichtigste Unterschied zu anderen Einnahmeformen – gerauchtes Cannabis kann Lungengewebe und kleine Blutgefäße schädigen sowie Atemwegsprobleme verursachen.
Im Vergleich zum klassischen Rauchen wird das Erhitzen von Extrakten oder Ölen (ohne Verbrennung) manchmal als etwas günstigere Alternative angesehen, da es den Kontakt mit einigen im Rauch vorhandenen Verbindungen reduziert. Das bedeutet jedoch nicht, dass kein Risiko besteht.
Kurze Geschichte von Cannabis
Hanf war über Jahrtausende eine wichtige Nutzpflanze: Er wurde zur Herstellung von Fasern, Seilen, Stoffen und Öl verwendet, aber auch in der Medizin und bei religiösen Ritualen. Er war bereits im alten China und Indien bekannt. In europäischen Regionen war er seit prähistorischer Zeit präsent und hatte große wirtschaftliche Bedeutung.
Lange Zeit funktionierte Hanf also einfach als eine von vielen angebauten Pflanzen. Die Wende kam erst im 20. Jahrhundert, als Cannabis zunehmend als eine zu kontrollierende Substanz behandelt wurde. Dabei spielten drei Dinge eine große Rolle: die Entwicklung der globalen Anti-Drogen-Politik, gesundheitliche Bedenken im Zusammenhang mit nicht-medizinischem Konsum und das Bestreben der Staaten, den Verkehr mit psychoaktiven Substanzen streng zu überwachen. Der Wendepunkt war die Einzige Drogenkonvention von 1961, die Cannabis in das weltweite Drogenüberwachungssystem einbezog. Von diesem Moment an war seine Geschichte über Jahrzehnte vor allem eine Geschichte der Kriminalisierung.
Erst im Jahr 2020 entfernte die UN-Kommission für Betäubungsmittel nach einer WHO-Überprüfung Cannabis und Cannabisharz aus der restriktivsten Kategorie (Schedule IV), mit der Anerkennung, dass sie therapeutische Anwendungen haben. Gleichzeitig bleibt Cannabis weiterhin einer strengen internationalen Kontrolle unterworfen.
Heute bleibt Cannabis die am häufigsten konsumierte illegale Substanz in Europa und weltweit – obwohl sich das mit den Liberalisierungsreformen zunehmend ändert. Auf der einen Seite halten viele Länder ein Verbot des Freizeitkonsums aufrecht oder schränken ihn stark ein. Auf der anderen Seite wächst die Zahl der Länder, die medizinisches Cannabis zulassen, und Deutschland hat mit dem KCanG 2024 einen wichtigen Schritt in Richtung Entkriminalisierung des Freizeitkonsums für Erwachsene gemacht.
Rechtslage von Cannabis in Deutschland
In Deutschland ist der Umgang mit Cannabis für Erwachsene seit dem 1. April 2024 durch das Konsumcannabisgesetz (KCanG) teilweise legalisiert worden. Deutschland ist damit eines der ersten großen EU-Länder, das einen solchen Schritt unternommen hat.
Besitz und Konsum
Volljährige Personen (18+) dürfen in Deutschland:
- Bis zu 25 g Cannabis in der Öffentlichkeit besitzen;
- Bis zu 50 g zu Hause aufbewahren;
- Bis zu 3 Pflanzen pro Person für den Eigenanbau kultivieren.
Der Konsum in der Nähe von Schulen, Kindertagesstätten, Spielplätzen und ähnlichen Einrichtungen ist in einem Umkreis von 100 Metern verboten. Auch in Fußgängerzonen von 7 bis 20 Uhr und in Gegenwart von Minderjährigen gilt ein Konsumverbot.
Cannabis Social Clubs
Seit Juli 2024 sind in Deutschland sogenannte Cannabis Social Clubs zugelassen – gemeinnützige Vereine, die Cannabis für ihre Mitglieder anbauen und abgeben dürfen. Diese Clubs sind nicht-kommerziell organisiert und unterliegen strengen Auflagen bezüglich Mitgliederzahl, Abgabemengen und Jugendschutz. Der kommerzielle Verkauf in Läden ist nach aktuellem Stand (2024) noch nicht erlaubt; ein reguliertes Modell mit lizenzierten Fachgeschäften befindet sich in der Pilotphase.
Cannabis im Straßenverkehr
Im Straßenverkehr gilt seit 2024 ein neuer Grenzwert: 3,5 ng/ml THC im Blutserum für Fahrzeugführer. Bei Fahranfängern und Personen unter 21 Jahren gilt die Null-Toleranz-Regelung.
Industriehanf und CBD
Industriehanf ist Cannabis mit einem THC-Gehalt unter 0,3% in der Trockenmasse. CBD-Produkte (Öle, Blüten) sind in Deutschland legal erhältlich, sofern sie die gesetzlichen Vorgaben zum THC-Gehalt erfüllen. Nach der Cannabisreform hat sich die Lage für CBD-Blüten weiter entspannt. CBD-Öle werden oft als „Aromaöl“ vermarktet. Essbare CBD-Produkte (Gummies) befinden sich hingegen in einer rechtlichen Grauzone.
Medizinisches Cannabis in Deutschland
Medizinisches Cannabis ist in Deutschland seit 2017 legal. Seit der Reform 2024 kann es von jedem Arzt verschrieben werden, alle Apotheken sind zur Ausgabe verpflichtet, und die Krankenkassen übernehmen häufig die Kosten. Deutschland hat rund 1 Million Cannabispatienten, und der Apothekenpreis liegt bei etwa 4,52 €/g. Das Land ist damit einer der größten und am schnellsten wachsenden Märkte für medizinisches Cannabis in Europa.
Rechtslage von Cannabis in anderen Ländern
Außerhalb Deutschlands gibt es sehr unterschiedliche Ansätze zu Cannabis. Das liberalste Modell ist die vollständige oder teilweise Legalisierung. In Europa ist neben Deutschland auch die Niederlande ein bekanntes Beispiel – dort wird der Verkauf in Coffeeshops seit Jahren toleriert, obwohl Produktion und Großhandel weiterhin problematisch sind. Die Niederlande befinden sich in einer Art „gedoogbeleid“ (Duldungspolitik), die pragmatisch, aber rechtlich inkonsequent ist.
Tschechien gehört seit Jahren zu den liberaleren Ländern der Region und bewegt sich schrittweise in Richtung einer milderen Handhabung des Besitzes und des Eigenanbaus. Das Land ermöglicht den Besitz kleiner Mengen für den persönlichen Gebrauch ohne strafrechtliche Konsequenzen.
Am anderen Ende sind Länder, die eine strenge Kriminalisierung oder einen sehr eingeschränkten Zugang ausschließlich für medizinische Zwecke aufrechterhalten. Frankreich beispielsweise hat den Freizeitkonsum noch nicht legalisiert und entwickelt den medizinischen Zugang vorsichtig.
Quellen
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